Wohnen

Für jeden etwas: soziale Infrastruktur im Stadtteil

Ob spirituell, familienfreundlich oder sportlich – in der HafenCity ist eine vielfältige soziale Infrastruktur entstanden. Weitere Angebote werden entwickelt, bisherige wachsen mit dem Stadtteil.

Das Foto zeigt Familien und junge Menschen, die durch das Überseequartier flanieren

Ob Familien, junge Paare, Singles oder Senioren: Für viele verschiedene Nutzer hält der Stadtteil attraktive Angebote bereit (© ELBE&FLUT) Bilderserie starten

Ein wenig versteckt liegt sie, die Ökumenische Kapelle in der HafenCity. Wer jedoch die richtige Tür des siebengeschossigen Backsteingebäudes in der Shanghaiallee öffnet, verlässt auf einen Schlag das geschäftige Treiben des Stadtteils und findet sich an einem Ort der Ruhe und Besinnung wieder. Schlicht und dennoch erhaben präsentiert sich der runde Innenraum der Kapelle, an den Türen stehen in goldener Schrift die Grundsätze der Charta Oecumenica geschrieben.

Die Kapelle ist in das Gebäude des Ökumenischen Forums HafenCity integriert, das im Sommer 2012 eingeweiht wurde und mit einem in der geschwungenen Fassade eingelassenen Kreuz und einer Glocke nur dezent an sakrale Bauten erinnert. Gebaut wurde es von einem Zusammenschluss von 19 Kirchen, die sich in einer deutschlandweit einmaligen Initiative zusammengeschlossen haben. Über die oberen vier Etagen verteilen sich 26 Wohnungen für das generationenübergreifende und gemeinsame Wohnen, ein Drittel davon sind öffentlich gefördert. Hinzu kommt viel Raum zur Begegnung: Im Weltcafé ElbFaire stehen fair gehandelte Produkte auf der Karte, ein Mittagstisch lockt Anwohner, Firmenmitarbeiter und Touristen. Ein großer, heller Raum wird für Vorträge und Diskussi­onen genutzt.

„Wir wollen unseren Beitrag für einen modernen und lebenswerten Stadtteil leisten“, sagte seinerzeit die Pastorin Antje Heider-Rottwilm, die bis 2014 das Projekt „Brücke – Ökumenisches Forum HafenCity“ leitete. „Wir engagieren uns für Menschen, die Hilfe brauchen, für Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit.“ Fünf Mal in der Woche läutet die Glocke zum 15-minütigen Mittags- oder Abendgebet. Zu den weiteren Angeboten in der Kapelle zählen Kontemplation als christliche Form der Meditation oder „heilsames Singen“, das Körper und Seele für spirituelle Erfahrungen öffnet. Vor dem Bezug des neuen Gebäudes war das Ökumenische Forum bereits mit einer temporären Kapelle in der HafenCity präsent. Diese wurde nach dem Bezug des neuen Domizils wieder abgebaut.

Nicht nur in spiritueller Hinsicht steht den mittlerweile 3.300 Bewohnern der HafenCity eine vielfältige soziale Infrastruktur zur Verfügung, die sich mit dem wachsenden Stadtteil verändert und immer weiter ausdehnt. Auch in Sachen Familienfreundlichkeit hat der Standort einiges zu bieten. Eine zentrale Säule hierfür bildet bereits seit dem Jahr 2009 die Katharinenschule. Die Grund- und Ganztagesschule mit dem außergewöhnlichen Schulhof auf dem Dach des Gebäudes ist lebhafter Mittelpunkt des Quartiers Am Sandtorpark/Grasbrook. Angeschlossen ist ein Hort für Schulkinder sowie im benachbarten Wohngebäude eine Kinderkrippe und – tagesstätte für die jüngste Zielgruppe in der HafenCity.

Ebenso vertreten ist die pme Familienservice GmbH mit einem so genannten Backup-Service für Unternehmen, der den Mitarbeitern der Firmen bei Betreuungsengpässen mit besonders ausgedehnten Öffnungszeiten zur Verfügung steht. Bei Bedarf können sie ihre Kinder hier sogar rund um die Uhr beaufsichtigen lassen. Schließ- und Ferienzeiten gibt es nicht. „Wir sind besonders dann gefragt, wenn der Babysitter krank wird oder unerwartet ein wichtiger beruflicher Termin anberaumt wird“, so Margit Werner, die den bundesweit tätigen Familienservice in Hamburg und Norddeutschland leitet.

Sein Angebot in der HafenCity hat der pme Familienservice kontinuierlich ausgeweitet und im Jahr 2015 eine weitere Tagesstätte am Lohsepark eröffnet. „Mit der neuen großen Grünfläche haben wir dort besonders tolle Voraussetzungen“, schwärmt Werner. Schon heute gibt es vier Kitas mit rund 350 Betreuungsplätzen in der HafenCity. Weitere zwei am Baakenhafen und am Grasbrookpark befinden sich in fortgeschrittener Planung. Temporär angelegt ist die im Dezember 2016 für zwei Jahre eröffnete integrative Kita am Lohsepark für 120 deutsche und geflüchtete Kinder. Und auch ein Gymnasium mit Stadteilschule sowie eine zweite Grundschule kommen in die HafenCity.

Die Turnhalle der längst etablierten Katharinenschule wird nicht nur für den Schulsport genutzt, sondern auch von dem Sportverein Störtebeker e.V. mit Sitz im Oberhafenquartier. Dessen Vorsitzender Manfred Jürgensen freut sich über 60 „Turnkinder“, die hier in drei verschiedenen Altersgruppen angemeldet sind. Angeboten werden zudem Kindertanzen und Kinderkarate. „Für Erwachsene gibt es ebenfalls Karate und am Samstag Freizeitfußball“, ergänzt Jürgensen, der 35 Jahre im Hafen gearbeitet hat und sich heute ehrenamtlich für den neuen Stadtteil engagiert. Für das Sportangebot findet er immer wieder neue, oftmals auch kreative Wege. So hat der Verein mit dem Verlag Gruner & Jahr eine Vereinbarung getroffen, nach der die Mitglieder für einen moderaten Beitrag das Fitnessstudio des Verlags am Baumwall nutzen können. Und auch der Störtebeker e.V. will mit der HafenCity wachsen. So erklärt Jürgensen: „Sobald es mehr Sportplätze und Sporthallen gibt, werden wir das Angebot erweitern.“

Möglichkeit bietet etwa das Ende 2017 eröffnende Fußball-Kleinfeld im neuen Baakenpark, das schon vor der offiziellen Parkeröffnung im Mai 2018 zur Verfügung steht. Darüber hinaus offeriert die HafenCity viele weitere integrierte Bewegungsangebote sowie Sport-, Fitness- und Wettkampfanlagen. Dazu gehört auch das entstehende 9er-Feld im Quartier Oberhafen, das wie die dortigen Schulsportanlagen ab 2019/20 zur Verfügung steht – und durch ein ligageeignetes 11er-Spielfeld am Anckelmannsplatz, in der näheren Umgebung der HafenCity, ergänzt wird.