Infrastruktur

Straßen und Brücken in der HafenCity

Sämtliche Straßen werden auf einem hochwassergeschützten Niveauangelegt. Neue Brücken werden hochwassersicher gebaut bzw. alte Brücken saniert und angehoben. Eine Ausnahme von der Straßenerhöhung bildet der direkt zwischen HafenCity und Speicherstadt verlaufende Straßenzug

Die Straßen und Brücken in der HafenCity sind in vielfältigster Weise den speziellen Anforderungen des Hafens angepasst (© ELBE&FLUT)

Eine besondere Herausforderung stellt der Baugrund des Stadtteils dar. Die HafenCity befindet sich im Einflussbereich des Elbstroms, der sogenannten Elbmarsch. Ihre oberen Bodenschichten bestehen zumeist aus Klei und Geschiebemergel, die als sogenannte bindige Bodenschichten über eine hohe Wasseraufnahmefähigkeit verfügen und damit für schwere Lasten nicht tragfähig sind. Erst in tieferen Schichten befinden sich tragfähige Sande. Deswegen stehen die meisten Gebäude in der HafenCity auf Pfählen. Im Straßenbau findet hingegen das sogenannte Vorbelastungsverfahren mit einer temporären Überhöhung des Straßenkörpers auf ca. 11-12 m ü. NN Anwendung: Dabei drückt das Gewicht von aufgeschüttetem Sand zunächst den Wasseranteil aus den bindigen Bodenschichten heraus und erzeugt so einen für den Straßenbau geeigneten festeren Untergrund. Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, wird der Sandkörper auf die Höhe des künftigen Straßenniveaus abgetragen, sodass anschließend Leitungen eingebracht und Straßen gebaut werden können.

Zwar werden Straßen in der HafenCity schon frühzeitig geplant, die Realisierung von Fahrbahndecken, Fuß- und Fahrradwegen, Baumpflanzungen oder Parkbuchten erfolgt trotzdem nur sukzessive und in enger Abstimmung mit dem Hochbau. Weil die Straßenoberflächen im Zuge der Hochbaumaßnahmen weitgehend wieder zerstört würden, erhalten fast alle Fahrbahnen zunächst eine provisorische Deckschicht. Die endgültige Verschleißschicht wird erst nach Fertigstellung der umliegenden Hochbauten hergestellt, zusammen mit den Nebenflächen sowie den Radwegen bzw. Radfahrstreifen und Baumpflanzungen.

MIT DEM AUTO ODER ZU FUß DURCH DIE CITY

Anbindungen der HafenCity zur Hamburger Innenstadt stellen derzeit vier Straßenbrücken her: Die Straße Am Sandtorkai/Brooktorkai dient als zentrale nördliche Erschließungsachse der HafenCity. Von ihr aus wird auch der Verkehr in Richtung Süden aufgefächert, vor allem durch die Shanghaiallee und die Osakaallee. Deren Fortsetzung führt direkt über die Kornhausbrücke und bildet die Verlängerung der Domplatz-Achse. Fußgänger gelangen somit in zehn Minuten vom Überseeboulevard über die Kornhausbrücke und den Domplatz bis zum Jungfernstieg. Seit Sommer 2013 besteht eine zweispurige Umleitung der Versmannstraße, um die wichtigsten Verkehrsverbindungen des Quartiers, die neue Versmannstraße sowie die Verlängerung der U4 bis zu den Elbbrücken gleichzeitig bauen zu können. Die temporäre Verkehrsführung verläuft über die Baakenhafenbrücke direkt an der Elbe entlang bis zu den Elbbrücken. 2017 wird der südliche Fahrstreifen der neuen Versmannstraße einsatzbereit sein. Dann kann der Verkehr zurückverlegt und das Elbufer als breite grüne Promenade mit Fuß- und Radwegen neu gestaltet werden.

Abgeschlossen ist seit Sommer 2016 die Erneuerung und Verbreiterung der Brücke Zweibrückenstraße. Dabei wurde auch die nördliche Schleife der Zweibrückenstraße entschärft und die Straße direkt an die Baakenwerderstraße angeschlossen. Durch den Neubau hat die Zweibrückenstraße insgesamt nicht nur eine breitere Durchfahrt und bessere Fahrrad- und Fußwege erhalten, sie ist aufgrund eines ressourcenschonenden Pump- und Drainagensystems nun auch erheblich besser gegen Überflutung geschützt.

NEUE BRÜCKEN ÜBER DEN BAAKENHAFEN

Gleich zwei Brücken verbinden den nördlichen Teil des Quartiers Baakenhafen mit dem Südteil. Vielfach wegen ihrer zahlreichen Funktionalitäten gelobt und prämiert – unter anderem als „Bauwerk des Jahres“ des Architekten- und Ingenieurvereins Hamburg (AIV) –, markierte die im August 2013 eröffnete, 170 m lange Baakenhafenbrücke zudem einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der östlichen HafenCity. Ergänzt wird die Querung durch eine zentrale, Ende 2016 fertig gestellte Fußgängerbrücke zwischen dem Nordteil und der Halbinsel Baakenpark. Die zentrale Lage und die Erreichbarkeit der HafenCity laden zunehmend dazu ein, auf das Auto zu verzichten. Vor allem wegen ihrer kurzen Wege ist die HafenCity ideal für Fahrradfahrer und Fußgänger, das weit verzweigte Wegenetz zudem außergewöhnlich engmaschig. Die Mehrzahl der Fuß- und Fahrradwege verläuft abseits des Autoverkehrs auf Promenaden, Stegen und Plätzen, viele davon direkt am Wasser. Entlang der stark befahrenen Straßen sind Radfahrstreifen Standard.

Auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität und Sehkraft bewegen sich in der HafenCity problemlos. Eine Fülle von Maßnahmen macht die Freiräume trotz der Höhendifferenz weitgehend barrierefrei. Die wichtigsten Lauf- und Fahrwege werden durch behindertengerechte Rampen erschlossen, an Ampeln können akustische Signale abgerufen werden. Bei den Oberflächen der Promenaden wurde im Hinblick auf die Geh- und Rollqualität geschnittenes (und damit ebenes) Großkopfsteinpflaster verwendet.